Armagnac aus der Sicht eines Whiskygenießers

Ein Gespräch mit Marc Darroze, von 2016 bis Juli 2019 Präsident der BNIA (Bureau National Interprofessionnel de l’Armagnac) und Chef des renommierten Armagnac-Hauses Darroze, über Whisky, Armagnac und aktuelle Entwicklungen.

Wenn Sie Armagnac mit Single Malt vergleichen – worin sehen die größten Unterschiede, vor allem beim Genuss des Getränkes?

Für mich sind das zwei verschiedene Kategorien, sowohl in Bezug auf den Produktionsprozess als auch in Bezug auf Geschmack und die Ausgewogenheit. Dafür gibt es viele Gründe: Der erste ist natürlich, dass wir Trauben als Grundstoff verwenden und kein Getreide. Das verändert den Geschmack und das Gleichgewicht des Produkts erheblich. Für mich ist Scotch Whisky ein wenig trockener im Stil, der geschmeidige Charakter entwickelt sich während der Reifung. Deshalb werden die Scotch Whiskies auch in Fässern aus Spanien oder woher auch immer gereift oder gefinisht, um den Malts zu helfen, etwas runder zu werden.

 

Wenn wir bei Armagnac durch die Single-Destillation vielleicht auch etwas weniger fein im Stil sind beim Rohbrand, erhalten wir doch insgesamt einen weicheren Charakter durch den Boden, die Trauben, die Luft. Wir sind unserem Boden, dem „Terroir“, ein wenig näher als alle anderen doppelt gebrannten Spirituosen. Wahrscheinlich bewahren wir uns durch die einfache Destillation mehr Eigenschaften unserer „natürlichen Identität“, das heißt die spezifischen Eigenschaften des Bodens, der Trauben usw. Das erklärt auch, warum wir ein wenig „runder“ sind als Scotch Whisky. Der Einfluss des Reifeprozesses im Fass ist dann noch wichtiger.

 

Warum ist Whisky in Frankreich eigentlich so viel verbreiteter als Armagnac?

Der Markt in Frankreich für Scotch Whisky und Malt Whisky im Allgemeinen und besonders im Vergleich zu Armagnac ist wirklich riesig und auch sehr dynamisch. Wenn ich genau wüsste, warum das so ist, würde ich es ändern! Eine der Antworten ist, dass die Produzenten in Schottland sehr gut darin sind zu erklären, was sie tun: Sie sprechen über die Reifung in verschiedenen Fässern in den verschiedenen Regionen usw. Die Schotten machen einfach einen sehr guten Job in Sachen PR und Promotion. Ein weiterer wichtiger Faktor: In den letzten 30, 40 Jahren war „La Maison de Whisky“ einer der wichtigsten und aktivsten Akteure als Betreiber und Monopol für viele Lieferanten und Produzenten, die diesen Markt in Frankreich mit aufgebaut haben.

 

Aus Sicht des Storytellings und Marketings gäbe es sehr viel zu erzählen über Armagnac …

 

Sie haben recht. Vielleicht haben wir vergessen, dass unsere Geschichte sehr reichhaltig ist, denn wir können viele Dinge erzählen über unser Terroir, die Rebsorten, die einfache Destillation, den Ursprung der Fass-Eiche – da gibt es so viele wichtige Unterschiede und Einzigartigkeiten, über die wir berichten können. Nun gibt es schon einige Unternehmen, die diese Geschichten erzählen. Leider haben wir das in der Vergangenheit sehr oft nicht gemacht.

 

Zurück zum Unterschied von Single Malt und Armagnac. Was sollte ein Single-Malt-Liebhaber nicht erwarten von Armgnac?

 

Ein wichtiger Punkt: Wenn Sie Scotch Whisky trinken, können sie den Malt mit ein paar Tropfen Wasser öffnen, mehr Aromen herausholen. Das ist bei Armagnac komplett anders, so etwas können Sie mit dem Brandy nicht machen. Wenn man ein wenig Wasser in den Brandy gibt, macht der zu. Es ist, als würde sich der Brandy von selbst schließen. Das ist ein Grund, warum es schwieriger ist, einen Armagnac mit Eis oder mit Wasser zu trinken. Vielleicht betrachten wir Armagnac auch deshalb noch zu sehr als Digestive und sehen nicht die Möglichkeiten, die es auch als Aperitif gibt.

 

Gilt das auch für unverdünnte, cask-strength Armagnacs?

 

Das gilt meines Erachtens auch für den Armagnac, wenn er im Trinkglas liegt. Was den Reifungsprozess betrifft: In meinem Unternehmen destillieren wir bei 55-56% abv und wir ändern die Fassstärke auch niemals vor der Abfüllung. Das bleibt immer naturbelassen und führt zu mehr Intensität, Komplexität und Charakter.

 

Was man auch als „traditionellen Armagnac“ bezeichnet im Gegensatz zum „kommerziellen Armagnac“ …

 

Armagnac wird in vielen Familien auch ein wenig als „Sparkonto“ betrachtet: Die Menschen haben ihren Wein destilliert und ihren Armagnac viele Jahre lang als Schatz aufbewahrt und verkaufen einige der Fässer nur dann, wenn in der Familie Geld gebraucht wird, viele Jahre nach der Destillation. Das ist es, was wir „authentischen“ oder „traditionellen Armagnac“ nennen.

 

Meine Firma hat einen guten Ruf darin, auf dem Land unterwegs zu sein und einige dieser Fässer verschiedener Herkunft, die oft über Generationen gereift sind, auszuwählen. So haben wir noch kleine Mengen sehr alter Armagnacs, die noch von den Großvätern oder Urgroßvätern der heutigen Weinbauern stammen. Das ist es, was wir „traditionellen Armagnac“ nennen.

 

In den meisten Fällen bedeutet „traditioneller Armagnac“ dann auch „naturbelassener Armagnac“ …

 

Natürlich. Die Farbe ist ein Ergebnis der lokalen Eiche, in der der Armagnac reift, und dieser reift ganz ohne Zuckerzusatz oder andere Dinge, um den Prozess zu beschleunigen.


Diese Zusatzstoffe sind eher bei jungen VS- oder VSOP-Armagnacs zu finden …

 

Wenn VS-Armagnacs so dunkel sind wie 20 Jahre alte Armagnacs oder Whiskies oder Cognacs, gibt es ziemlich sicher einen Zusatz von Tanninen und Zucker, um den „Alterungsprozess“ zu beschleunigen. Je jünger der Armagnac, desto eher besteht die Möglichkeit, dass darin etwas Karamell oder Sirup enthalten ist.

 

Wieviel Zusatzstoffe oder Zucker darf maximal enthalten sein?

 

Drei Zusätze wären prinzipiell erlaubt: Caramel E150 a, ein wässriger Aufguss von Eichenspänen sowie Zuckersirup. Insgesamt darf die Gesamtverdunkelung durch die drei Zusatzstoffe 4% nicht überschreiten. In der Armagnac- und Brandy-Industrie ganz allgemein denkt man manchmal, wenn der Spirit nicht dunkel genug ist, ist er auch nicht gut.

Was sind für Sie die Märkte der Zukunft – die Vereinigten Staaten, China, Russland?

 

Die Hauptmärkte werden Russland und die USA sein; China wächst in fernerer Zukunft. Für mich liegt das größte Potenzial in den USA. Da gibt es einen großen Wettbewerb der Spirituosen, dieser Markt ist sehr aktiv und schwierig. Russland ist auch ein guter, aber leider etwas unsicherer Markt, da sich die politische Situation schnell ändern kann. China wächst definitiv, es gibt dort immer mehr Menschen, die lernen und informiert werden möchten.

 

Ist es Ihr Ziel, auch die Liebhaber schottischer Single Malts auf der ganzen Welt zu überzeugen oder ist das keine Strategie?

 

Wenn Sie als Armagnac-Branche mit dieser Industrie zurechtkommen wollen, ist das nicht leicht – wir sind sehr klein im Vergleich zu der unglaublichen Größe der Scotch-Whisky-Industrie. In Bezug auf finanzielle Möglichkeiten oder Marketingstrategien sind wir enorm weit von diesen Akteuren entfernt. Es gibt sehr viele Stufen zwischen uns und dieser Branche.

 

Aber Sie waren auch BNIA-Präsident und könnten einige Dinge ändern …

 

Ja, aber ich bin kein Zauberer. Ich versuche, mein Bestes zu geben. Und ich versuche auch, den Kolleginnen und Kollegen zu erklären, dass wir gemeinsam stärker sind als allein. Was wir z.B. tun können: Veranstaltungen aller Kategorien gemeinsam planen und durchführen. Wenn wir verschiedene Armagnacs testen, stellen wir immer wieder ein beeindruckendes Qualitätsniveau fest. Unser Produktionsvolumen ist relativ klein und das bietet auch die Möglichkeit, die Qualität entsprechend zu kontrollieren. Das Qualitätsniveau bei Armagnac ist wirklich unglaublich.

 

Wäre es auch möglich, das Produktionsvolumen etwa zu verdoppeln?

 

Ich denke schon. Zumindest haben wir das Potenzial, das doppelte Volumen bei gleicher Qualität zu produzieren. Wir haben eine „Weinbergreserve“ – wir sind in der Lage, auf 5.000 Hektar Weinberg zu produzieren und verwenden heute nur noch etwa 2.500 Hektar. Somit könnten wir die Produktion ohne größere Probleme und v.a. ohne Qualitätseinbußen verdoppeln.

 

Wie Sie wissen, braucht es Zeit, um einen Armagnac zu reifen, weshalb auch die einfache Destillation sehr interessant ist, da die Einfachdestillation von vornherein mehr Zeit für die Reifung erfordert. Wenn Sie doppelt destillieren, erhalten Sie die Finesse durch die Destillation und wenn Sie einfach destillieren, erhalten Sie die Finesse durch die Reifung. Da bin ich mir sehr sicher.

 

Was ist Ihrer Erfahrung nach das beste Alter für einen Armagnac?

 

Ich denke zwischen 12 und 25 Jahren.

 

Die Preise zwischen älteren Single Malts und Armagnacs sind doch sehr verschieden …

 

Vor allem der Unterschied für den sehr alten Stoff ist unglaublich – zum Beispiel im Vergleich eines 30 Jahre alten Single Malts mit einem 30 Jahre alten Armagnac. Es geht um Rarität. Wenn die Nachfrage nach sehr alten Armagnacs steigt, werden wir das gleiche Problem bekommen.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Interview und Aufbereitung: StyrianSpirit

 

17 septembre 2019 – Fassstark.de



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